
Der Kult der Augengöttin hat seinen Ursprung im Nahen Osten, von wo er
sich über den Mittelmeerraum nach Westeuropa ausbreitete. In Ägypten
bezeichnete das universelle Mutterwort Maa gleichzeitig den Namen der Göttin
als auch ein hieroglyphisches Auge.
Die westeuropäische Augengöttin hat ein charakteristisches eulenartiges
Aussehen. Sie ist vor allem auf Stelen, Statuetten und Amuletten der Megalithkulturen
aus der Zeit zwischen dem 5. und 3. Jahrtausend zu finden.
Die Augengöttin symbolisiert die Kraft der Lebenserneuerung (wie auch die
Schlangenspirale, die Sonne und das lebensspendende Wasser). Auf Grabmonumenten
und Knochenfiguren finden wir auch den Todesaspekt der Augengöttin.
Die Schlange als sich häutendes, erdnahes Tier ist ein Symbol für
die Große Göttin selbst und eines der ältesten Symbole weiblicher
Macht.
Im Altertum wurde geglaubt, dass Schlangen nicht wie andere Tiere an Altersschwäche
sterben, sondern sich in periodischen Abständen häuten, erneuern oder
in ein anderes Leben wiedergeboren werden. Die Schlange ist Lebenskraft, Symbol
der Schöpfungskraft, Inbegriff der Ehrfurcht vor dem Leben. Sie ist ein
transfunktionales Symbol und in der gesamten Symbolik des Alten Europas präsent
In europäischen Volkslegenden war die Schlange die Hüterin der Quellen
des Lebens.
So standen die Lebensschöpfung, aber auch Fruchtbarkeit, Wachstum und vor
allem auch die Erneuerung der Lebenskraft im Einflussbereich der Schlange. Die
Schlange des Alten Europas symbolisierte ein gütiges Geschöpft, sofern
sie nicht für den todbringenden Aspekt der Göttin stand.
Das Doppelaxtbild der Bronzezeit ist ein Symbol für die Göttin des
Todes und der Lebenserneuerung. In ihrer Hand liegt die magische Verwandlung
vom Tod zum Leben, und deshalb tritt sie oft in Gestalt eines doppelaxtförmigen
Schmetterlings auf. Es liegt nur ein schmaler Grad zwischen Leben und Tod, zwischen
dem Schmetterling und der Göttin in ihrem zerstörerischen Aspekt.
Die Axt ist ein Kraftsymbol und wird wegen ihrer Dreiecksform mit dem weiblichen
Schamdreieck in Verbindung gebracht. Antike Amazonengöttinnen (Gaia, Rhea,
Demeter, Artemis) schwangen die doppel-blättrige Axt, auch Labrys genannt,
als Zepter, zeremonielle Waffe oder Streitaxt.
In der Ikonographie, der wissenschaftlichen Bestimmung bildhafter Darstellungen,
gelten Zickzack- oder Wellenlinien als Zeichen für Wasser. Die Zickzacklinie
ist das früheste bekannte symbolische Motiv. Sie wurde bereits 40 000 oder
früher von Neandertalern verwendet.
Das "Wasser des Lebens" wurde einst mit dem kosmischen Schoß
gleichgesetzt. Im Alten Europa wurden Wasserzeichen in die Umrisse der Gebärmutter
und der Vulva eingeritzt, womit eine symbolische Verwandtschaft zwischen Zickzacklinie,
weiblichen Lebenssäften und Fruchtwasser zum Ausdruck gebrachte wird.
Die Heiligtümer der Göttin standen nahezu immer mit Brunnen, Quellen,
Seen oder Meeren in Verbindung. Oft war Wasser auch eine Metapher für die
Liebe selbst. Wasser und Liebe waren unentbehrlich für die Lebenskräfte
der Fruchtbarkeit und Schöpfung.
In der Astrologie das Zeichen für den Planeten Pluto. Unter den vorhellenischen
Gottheiten gab es eine Göttin mit Namen Pluto, die wie Demeter in ihrer
dreifachen Form aufgetreten ist, als Kore ( Jungfrau), Pluto (Mutter) und Persephone
( Greisin, bzw. " Zerstörerin"). Der dunkle Gott Pluto war eine
hellenische Revision eines Beinamens der früheren Großen Mutter –
er bedeutete " Reichtum" oder " Fülle". " Reichtum
bezeichnete typischerweise die Muttergestalt, aus deren Brüsten der Überfluß
strömte. Später wurde Pluto vermännlicht, und in vorchristlicher
Zeit wurde "er" zum Synonym für den Teufel.
Zeichen der griechischen Hestia, eine der ältesten matriarchalen Göttinnen,
deren lateinischer Name Vesta war. Das Feuer ihres Herdes oder Altares war das
Zentrum der Erde. Als Wächterin der innersten Dinge verkörperte sie
das Zuhause, " die Weltmitte" eines jeden Menschen.
In matriarchalen Zeiten war der Herd der Clanmutter der erste Feueraltar gewesen.
Ihre hausfraulichen Funktionen bestanden darin, das Feuer zu hüten, die
Nahrung zuzubereiten, und das heilige Zentrum des Clanlebens zu gestalten. Dies
galt als die heiligste von allen menschlichen Tätigkeiten. In scharfem
Gegensatz dazu steht die moderne Haltung zur Hausfrauenarbeit, die in den meisten
Fällen einfach nur als Nicht-Arbeit gilt, die keiner Bezahlung würdig
ist.
Die Vestalinnen waren die heiligsten Frauen von Rom, weil sie mit dem ewigen
Feuer zu tun hatten, das im Herzen des Imperiums brannte. Die Priesterinnen
waren virgines (jungfräulich) im alten Sinne; das heißt, sie
waren nicht notwendigerweise keusch, sondern sie lebten unabhängig von
einem Mann.
Die Priesterinnen der Vesta waren höchst sakrale Wesen – orgiastische Priesterinnen
und jungfräuliche Mütter, die bei Sonnwendfeiern vor dem 6.Jahrhundert
v. Chr. von den Göttern geschwängert wurden. Sobald die christliche
Kirche genügend politische Macht errungen hatte, ließ sie Göttin
Vesta und ihre Priesterinnen verschwinden. Sie fürchteten sie als geheimnisvolle
und magische Frauen, die sie nicht verstanden und nur vernichten wollten.
Wichtigste Abbildung der Göttin in ihrer Funktion als Allesgebende, die
Leben und Tod, Glück und Reichtum zuteilt; auch Schicksalsgöttin.
Wasservögel (Ente, Gans, Schwan) stehen für Glück, Reichtum und
Nahrung;
Raubvögel (Geier, Eule, Rabe, Krähe) sind Vorboten des Todes und Erscheinungen
der todbringenden Göttin;
prophetische Vögel (Kuckuck, Eule/ Kauz) kündigen Frühling, Hochzeit
oder Tod an;
Seelenvögel ( Taube, Kuckuck und andere Kleinvögel) beherbergen die
Seelen der Verstorbenen.
Universelles Symbol der Erneuerung und der Wiedergeburt.
Symbol des Lebens, das in allen möglichen Formen aus dem Wasser, aus
einer Höhle oder einem Schoß aufsteigt. Das Bild kommt in Gräbern,
Tempeln und in Keramikverzierungen vor. Die Lebenssäule verkörperte
im weltanschaulichen System des Alten Europas die geheimnisvolle Lebenskraft,
die Verbindung zwischen Sein und Nichtsein.
Der Keim dieser Lebenskraft ist auch im Ei, in der Schlange, im Wasser und im
Körper der Göttin – speziell in ihrer Gebärmutter – zu finden,
was in Höhlen, in unterirdischen Grabanlagen und in Megalithbauten zum
Ausdruck kommt.
Oft ist die Lebenssäule auch von einem Netz durchzogen, dem Schicksalsnetz
das von den Schicksalsgöttinnen, den Nornen gewoben wurde. Die skandinavischen
Nornen gehören zu den ältesten und geheimnisvollsten Erscheinungen
der Dreifachen Göttin. Wie die griechischen Moiren und die sächsischen
Weird Sisters symbolisieren sie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Sie lebten in der magischen Schoßhöhle des Weltenbaums und bestimmten
das Schicksal eines jeden Geschöpfs. Sie wurden mit den drei Phasen des
Mondes, - dem zunehmenden, vollen und abnehmenden Mond – gleichgesetzt.
furchteinflößende Schutzmaske der Medusa, die die weibliche Weisheit
symbolisiert. Wie andere Varianten der archaischen Großen Mutter bildeten
in der klassischen Mythologie auch die Gorgonen eine Trinität. Ihre Namen
waren Medusa, Stheno und Euryale: Weisheit, Stärke und Vielseitigkeit.
Das Gorgonenhaupt mit seinen hervorstehenden Zähnen und den riesigen Krallenhänden
erschien in der Antike oft als eine gemalte oder in Stein gehauene, mächtige
Warnung an die Männer. Seine grundlegende Bedeutung lautete: " Weibliche
Mysterien! Kein Zutritt!"
Das Gorgonenhaupt drohte Eindringlinge zu Stein werden zu lassen und hatte die
Funktion, die Geheimnisse des Mysterienkultes der Großen Mutter, das weibliche
Wissen um Leben und Tod, zu schützen und zu bewahren.